2. November 2022

Erkenntnisse aus einem Urlaub mit zwei Lastenrädern und einem Kinderfahrrad

Meine Seele reist höchstens so schnell wie ein Fahrrad

In Urlaub fahren, ausspannen, Zeit mit der Familie verbringen und die Arbeit hinter sich lassen – wer träumt nicht davon und freut sich wochen-, wenn nicht monatelang darauf? Heute will ich euch von meinen Erkenntnissen aus unserem ersten Urlaub mit zwei Lastenrädern und einem Kinderfahrrad erzählen.

zwei nostalgische Koffer

Mir geht es genauso, schon alleine deshalb, weil wir eher selten in Urlaub fahren. Man kann sich ziemlich lange freuen, wenn man sich monatelang auf etwas freut. Allerdings hält die Vorfreude bei mir in der Regel nur bis ungefähr zwei Wochen vor Abreise. Dann kippt das Ganze. Der Stresspegel steigt. Mir wird allmählich klar, dass ich – wieder einmal – nicht alles schaffe, was ich vor dem Urlaub noch unbedingt erledigt haben wollte. Schließlich will man ja nach dem Urlaub nicht gleich wieder mit den unangenehmen Dingen konfrontiert werden, die man eigentlich schon vorher erledigt haben wollte…

Außerdem steigt der Packstress von Tag zu Tag. Was genau nehme ich mit? Auf was kann ich verzichten? Ah ja, eine Packliste. Guter Einwand. Aber die habe ich, sogar modular, also mit Unterlisten für „Reise zu Studienzwecken“ (mehr Schreibzeug), Reise im Winter (warme Sachen) Reise in die Berge (Wanderstiefel und so), Reise ans Wasser (Badesachen), Urlaub in einer Ferienwohnung (Essen für den ersten Tag, Kaffeemühle und Presskanne, Essig, Öl und ein paar Gewürze nicht vergessen) und so weiter – nur steht da dummerweise nicht, welche T-Shirts genau und welche Schuhe jetzt am besten zu den eingepackten Sachen passen. Und wie wird nochmal das Wetter? Auf keinen Fall das Lieblingskuscheltier vergessen und welche Spiele spielen wir gerade besonders gerne? Ok, ich bin bisweilen ein wenig kompliziert – zugegeben. Aber ein bisschen Packstress kennen wohl die meisten.

handgeschriebene Packliste

Dieses Jahr sollte nun alles anders werden. Auch nix Neues, denn dieser gute Vorsatz taucht mit schöner Regelmäßigkeit jedes Mal auf, wenn mal wieder ein Urlaub ansteht. Doch diesen Sommer lagen die Dinge anders. Angefangen vom Ziel (rund 30 km von zu Hause entfernt – und ich habe bei den Kilometern keine Null vergessen), über das Verkehrsmittel (zwei Lastenräder und ein Kinderfahrrad) bis hin zum Gepäck (nur was in die Fahrräder passt). Ja, jetzt dürfen alle, die wirklich mit dem Fahrrad verreisen (also mit Fahrradtaschen und / oder Rucksack) einmal lachen. Zwei Lastenräder sind jetzt nicht das Maximum an Gepäckreduktion, aber für Leute, die sonst auch locker ein Auto bis unters Dach vollkriegen (also für Leute wie mich), ist das schon eine deutliche Verringerung des Gepäckvolumens.

unser Reisegepaeck auf und um dem Gartentisch gestellt

Und was ist passiert? Erkenntnis Nummer eins aus unserem Urlaub mit zwei Lastenrädern und einem Kinderfahrrad: Weniger Gepäck heißt überraschenderweise auch weniger Stress. Konnte ich mir erst nicht vorstellen. Die Entscheidung, was ich alles nicht mitnehme, habe ich mir irgendwie super anstrengend vorgestellt. War’s aber nicht. Es kam vieles einfach von vornherein nicht in Frage. Und ich habe mir gesagt, wenn etwas fehlt, dann liegt es nicht an meiner mangelnden Planung, sondern daran, dass man halt nicht für alle Eventualitäten vorsorgen kann, wenn man platzmäßig begrenzt ist. Prima, ich bin also gar nicht schuld, wenn etwas fehlt!

Dann die Anreise – zugegeben ein bisschen anstrengender als beispielsweise mit dem Auto. Aber wunderschön: Radwege im Wald, überall Natur, Vogelgezwitscher, Schmetterlinge, hübsche Vorgärten, Zeit zum Schauen und Genießen. Den eher unglücklichen Zusammenstoß mit der Wespe übergehen wir jetzt einfach mal, sie hat ja auch nur ein kleines bisschen in meine Lippe gestochen…

mit Sedum bepflanzte Gugelhupf-Form und Betonschale
plaetschernder Bach im Wald

Nach etwas über dreißig Kilometern, einer für Lastenradfahrer ganz ordentlichen Bergetappe und keinem einzigen Mal Verfahren kamen wir unversehrt, auf angenehme Weise ausgepowert und höchst zufrieden mit unserer Leistung in der Ferienwohnung an: mit viel Liebe zum Detail eingerichtet, traumhafte Lage im Außenbereich, Wiesen, Tiere, nette Vermieter. Schnell das Gepäck ausgeräumt – war ja nicht viel – und rasch im Supermarkt noch ein paar letzte Dinge für das Wochenende eingekauft, dann konnte die Erholung beginnen.

Und ach oh Wunder – das tat sie auch. Gleich, sofort, ohne Verzögerung. Keine 48 Stunden oder länger zum Runterkommen, nein, ich bin schon jetzt total relaxt, habe den Arbeitsalltag hinter mir gelassen, die Seele baumelt schon in der Hängematte und freut sich des Lebens.

Daraus folgt meine Erkenntnis Nummer zwei aus dem Urlaub mit zwei Lastenrädern und einem Kinderfahrrad: Die Seele (zumindest meine) reist offensichtlich nur so schnell wie ein Fahrrad fahren kann. Deshalb ist sie jetzt auch schon da und erholt sich. Bei einer Auto- oder gar Flugreise brauche ich länger, bis ich wirklich anfange, mich zu erholen. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich den Stress in die Pedale getreten habe. Es ist auf jeden Fall ein wunderbares Gefühl, wenn der Erholungseffekt sofort einsetzt. Vielleicht brauche ich sonst länger, weil meine Seele quasi in Radgeschwindigkeit hinterherfährt und erst ein bisschen später ankommt. Der Vergleich mag zwar hinken, aber mir gefällt dieses Bild. Und ich genieße es, dass wir dieses Mal gleichzeitig angekommen sind – meine Seele und ich.

unsere Lastenraeder im Garten der Ferienwohnung

Wie geht es dir, wenn du in Urlaub fährst? Wie schaffst du es, den Alltag vom ersten Tag an hinter dir zu lassen?

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